Neuigkeiten/Meldungen

09.09.2020, 10:26 Uhr
Dem Pflegenotstand mit guter Ausbildung begegnen
CDU-Kreistagsfraktion Vogelsberg besuchte die Pflegeakademie in Alsfeld. Zusammenlegung von Pflegeakademie und Krankenpflegeschule steht bevor.
 VOGELSBERGKREIS/ ALSFELD. Das Thema „Bundesweiter Mangel an Pflegepersonal“ ist seit Jahren bekannt und dennoch ist eine wirkliche Besserung der Situation bis dato nicht zu erkennen. Weil es auch im Vogelsbergkreis zahlreiche Einrichtungen für pflegbedürftige Menschen jeden Alters gibt und zudem die im Kreis liegenden Krankenhäuser und Pflegeheime hohen Bedarf an Pflegepersonal haben, hat sich die CDU-Kreistagsfraktion dieses Themas angenommen und über die dringend notwendige Ausbildung in den pflegenden Berufen informiert. Wie Fraktionsvorsitzender Stephan Paule (Alsfeld) in einer Pressemitteilung berichtet, war die Fraktion am Montag dieser Woche zu Gast in der Vogelsberger Pflegeakademie (früher: Aenne- und Konrad-Geisel-Schule), die in der Straße Am Ringofen 17 auf dem Gelände der ehemaligen BGS-Kaserne ihre Büro- und Unterrichtsräume hat.
Besuch in der Vogelsberger Pflegeakademie: Schulleiter Thomas Müller (Mitte) mit den Kommunalpolitikern (vlnr.: Iris Schmidt, Rosemarie Müller, Franz-Josef Kreuter, Stephan Paule, Edgar Merle, Thomas Müller, Dieter Boss, Dietmar Krist, Dr. Hans Heuser, An
Schulleiter Thomas Müller erläuterte eingangs, dass die bisher getrennt verlaufende Aus-bildung für die Berufe der Krankenpflege, Altenpflege und Kinderkrankenpflege durch das zum Jahresbeginn 2020 in Kraft getretene Pflegeberufegesetz für ganz Deutschland grundlegend geändert und zu einem Ausbildungsgang zusammengefasst worden ist. Nach einer generalistischen, zweijährigen „Grundausbildung“ könnten sich die Auszubildenden dann weiterhin entscheiden, ob sie das Examen als Pflegefachfrau/-mann, Altenpfleger*in oder Kinderkrankenpfleger*in ablegen möchten.  Zu der von Bundestag und Bundesrat beschlossenen Neuausrichtung der Ausbildung habe es im Vorfeld auch verschiedentlich ablehnende Stimmen gegeben, man müsse jetzt sehen, wie sich diese Reform langfristig auswirke, so Müller.

 

Weiter berichtete der Schulleiter, dass derzeit 83 Schülerinnen und Schüler in seiner Einrichtung die dreijährige Ausbildung durchlaufen. Voraussetzung für diesen Ausbildungsgang sei der Schulabschluss der Mittleren Reife. Zudem befänden sich 10 Personen in Fortbildung. Wichtig sei, dass weiterhin junge Menschen mit Hauptschulabschluss eine einjährige Ausbildung zum Altenpflegehelfer durchlaufen können. Auch für diese Absolventen seien die beruflichen Aussichten sehr gut.

 

Müller erläuterte den CDU-Vertretern auch die geplante Zusammenlegung der Vogelsberger Pflegeakademie mit der Krankenpflegeschule am Kreiskrankenhaus Alsfeld (rund 70 Schüler), Pläne für einen Erweiterungsbau am derzeitigen Standort Ringofen seien derzeit in Prüfung.

 

Wie die CDU-Kommunalpolitiker erfahren konnten, wird die Vogelsberger Pflegeakademie – wie alle Einrichtungen dieser Art – dadurch finanziert, dass alle Pflegeinrichtungen (Krankenhäuser, Senioren-und Pflegeheime, Ambulante Pflegedienste) in einen Topf einzahlen, dazu kommen die im Sozialgesetzbuch XI (Soziale Pflegeversicherung) vorgeschriebenen Gelder von den Pflegekassen und Zahlungen der Bundesländer. Schulleiter Müller appellierte an die Politiker, sich auf allen Ebenen dafür einzusetzen, dass die Ausbildung von Pflegekräften weiter verbessert und ihre Arbeit im jeweiligen Beruf besser bezahlt werde. Wohlmeinende und lobende Worte aus der Politik reichten nicht aus, um den schon vorhandenen Mangel an gut ausgebildeten Pflege-kräften nachhaltig und langfristig zu beheben. Die wichtige Integration von Pflegekräften aus osteuropäischen Ländern und sogar von außerhalb der EU bringe nur eine zahlenmäßig geringe Entlastung des leergefegten Arbeitsmarkts bei den Pflegeberufen. Bei dem abschließenden Rundgang durch die Lehrsäle und den Verwaltungsteil bekamen die CDU-Vertreter Einblick in die gute und moderne Ausstattung dieser im Vogelsbergkreis einzigen schulischen Einrichtung.